Ethik? Kein Interesse!

Am Anfang meiner TA-Ausbildung interessierte ich mich nicht für ethische Fragen. Im Gegenteil. Ich verband Ethik mit Forderungen «Du sollst …» und «Du musst …» Ein Widerspruch zu den Inhalten der Transaktionsanalyse? Die Erkenntnis, dass es sogar Ethik-Richtlinien gab, war dann definitiv der Grund, um dieses Thema einen Bogen zu machen. Ich war neugierig auf die Modelle und Konzepte der Transaktionsanalyse. Diese waren es, die mich faszinierten. Regeln und Richtlinien hatte ich schon genügend in anderen Lebensbereichen.

Im Laufe der Zeit habe ich dann zwei Feststellungen gemacht. Die erste: Transaktionsanalytikerinnen und Transaktionsanalytiker sind auch Menschen! Und ich habe noch keinen perfekten, fehlerlosen Menschen kennengelernt. Kann das ein Grund sein, weshalb es Ethik-Richtlinien braucht?

Die zweite Erfahrung, die weit gewichtiger ist als die erste: Wenn ich Transaktionsanalyse anwende, komme ich nicht darum herum, mich mit ethischen Fragen auseinanderzusetzen. Während es zu Beginn mehr um das «Was» der Transaktionsanalyse ging, steht heute das «Wie» genauso im Zentrum. Wie begegne ich meinen Klientinnen und Klienten? Wie verhalte ich mich in Konfliktsituationen mit Kolleginnen und Kollegen? Wie werbe ich für mich und meine Angebote? usw.

Wer sich mit diesen ethischen Fragen auseinandersetzt, wird möglicherweise plötzlich auch am Würstchenstand mit Ethik konfrontiert. Günter Hallstein beschreibt in seinem Artikel in diesem Heft*, wie es dazu kommen kann.

In dieser Info-Ausgabe* erhalten Sie von verschiedenen Autorinnen und Autoren Anstösse, sich über Ethik Gedanken zu machen. Ich wünsche Ihnen herausfordernde Anregungen und viel Freude beim Lesen.

* Dieser Beitrag ist als Editorial des DSGTA Info zwei 10 erschienen. Das Heft kann als PDF-Datei heruntergeladen werden: www.dsgta.ch.

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